Dem Land eine Orientierung geben.

Mercredi 24 juin 2015

Ziviler Festakt in der Philharmonie.  Polizistin Yasmine Grisius posthum geehrt.

Ziviler Festakt in der Philharmonie. Polizistin Yasmine Grisius posthum geehrt.

Die gestrigen Festtagsreden standon noc hunter dem Eindruck des Referendums vom 7. Juni. Während des zivilen Festakts in der Philharmonie waren die Redner bemüht, am Nationalfeiertag die luxemburgische Identität zu definieren, dem Land eine Orientierung zu geben und den Zusammenhalt des Volkes zu beschwören.

Sowohl GroβHerzog Henri als auch Staatsminister Xavier Bettel und Parlamentspräsident Mars Di Bartolomeo erkannten die Wichtigkeit der luxemburgischen Sprache als Bestandteil der luxemburgischen Identität an. Gleichzeitig wurde aber betont, dass Luxemburger zu sein, mehr bedeute als nur die gleiche Sprache zu sprechen. Immer wieder wurde die Frage aufgeworfen, was es eigentlich bedeute, Luxemburger zu sein. In dem Sinne waren die gestrigen Festtagsreden in der Philharmonie ein Beitrag zue Debatte über die luxemburgische Identität. Xavier Bettel beschwor in diesem Zusammenhang den Zusammenhalt zwischen Luxemburgern und Nicht-Luxemburgen.

GroβHerzog Henri widmete sich nochmals dem Leitspruch “Mir wëlle bleiwe wat mir sinn”, und seiner Bedeutung “Es ist kein Ausdruck eines sich auf sich selbst Zurückziehens, sondernvielmehr das Versprechen einer gemeinsamen Zukunft”. Nach seiner Auffassung ist die luxemburgische Identität kein Ist-Zustand, sondern ein evolutiver Prozess, der zu keinem Zeitpunkt abgeschlossen war oder ist. GroβHerzog Henri fügte hinzu : “Die Frage der Bewahrung der eigenen Identität soll kein Tabu sein. Auch in Luxemburg stellt sich diese legitime Frage, wenn auch in einem spezifischen Kontext.”

Die luxemburgische Sprache ist nicht der einzige integrative Faktor der luxemburgischen Identität. Dazu gehört nach Auffassung des Groβherzogs auch die Pflege von gemeinsamen Traditionen und Bräuchen sowie die Anerkennung des Beitrags aller Nicht-Luxemburger.

Auβerdem warnte GroβHerzog Henri vor den Gefahren einer verschlossenen Gesellschaft, in der die unterschiedlichen Gemeinschaften mehr nebeneinander statt miteinander leben. Aus dem Leitspruch “Mir wëlle bleiwe wat mir sinn”, dürfe nicht ein “ënnert sech bleiwen” werden.

Um die Integration zzu förden, fordert GroβHerzog Henri sowohl von Luxemburgern als auch von Nicht-Luxemburgern ein stärkeres Aufeinanderzugehen.

Ein Herz für Flüchlinge

Der Präsident der Abgeordnetenkammer, Mars di Bartolomeo, untermauerte die Wichtigkeit der luxemburgischen Sprache für die nationale Identität. Sie solle uns vereinen und nicht trennen. Auβerdem sollten wir nicht vergessen, dass Luxemburg seit jeher ein mehrsprachiges Land sei, was unserer Stärke und nicht unsere Schwäche sei.

Ein weiteres Thema in den Ansprachen war die Flüchtlingsthematik, die aufgrund zahlreicher Tragödien im Mittelmeer die europäische Politik in den vergangenen Monaten mitprägte. Ab Juli übernimmt Luxemburg den Vorsitz des Europäischen Rates und das Thema Flüchtlingspolitik steht ganz oben auf der Agenda. “Flüchtlinge, die über das Mittelmeer nach Europa kommen, riskieren ihr Leben um leben zu können. Diskussionen über Quoten, Zahlen und Mehrheiten sind unwürdig wenn es darum geht Menschen zu helfen, die nichts mehr besitzen abgesehen von ein wenig Hoffnung”, so Xavier Bettel.

Mars Di Bartolomeo forderte ein klares Bekenntnis zu einer humaneren Flüchtlingspolitik : “Wenn wir ‘Je suis Charlie’ Ernst gemeint haben, dann müssen wir auch sagen ‘Je suis Réfugié’.”

Abgesehen von den aktuellen Debatten wurden aber auch den Menschen gedacht, die im Dienst der Freiheit und Unabhängigkeit des Landes ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben. Bedauerlicherweise gebe e simmer weniger Zeitzeugen, die noch aus eigener Erfahrung berichten können, was sich während des Zweiten Weltkrigers zugetragen hat. Damit einher gehe die Verantwortung der nachwachsenden Generationen, die Erinnerungen wach zu halten, damit die unseligen Gelster aus der Vergangenheit nicht wieder aus dem Grab auferstehen. Abschlieβend wurden sieben Menschen aufgrund ihrer persönlichen Verdienste ausgezeichnet. Besonders hervorzustreichen ist die Polizeibeamtin Yasmine Grisius, die am 5. Juni unter tragischen Umständen bei einer Routinekontrolle ihr Leben verlor. Es war ein besonders emotionaler Augenblick, als sie posthum mit der “Croix d’Honneur et de Mérite militaire en argent” ausgezeichnet wurde.

Raymond Braconnier aus der Gemeinde Sassenheim wurde für seine Verdienste bei der « Protection civile » mit dem « Chevalier de la Couronne de Chêne » ausgezeichnet. Groβherzog Henri überreichte Tilly Pax-Schadeck aus Ettelbrück den « Chevalier de la Couronne de Chêne » für ihr ehrenamtliches Engagement. Der luxemburgisch-schweizerische Manager Jaean-Claude Biver wurde mit dem « Commandeur de l’Ordre de Mérite » ausgezeichnet für seine Verdienste in der Uhrenindustrie. Yasmine Ley aus Düdelingen wurde für ihr Engagement bei « Médecins sans Frontières » mit dem « Chevalier de l’Ordre de Mérite » geehrt. Der gebürtige Spanier RolfTarrach aus Schüttringen stand während zehn Jahren an der Spitze der Universität Luxemburg. GroβHerzog Henri überreichte ihm den Orden des “Grand Officier de l’Ordre de Mérite”. Der Nobelpreisträger Jules Hoffmann wurde mit dem « Grand Officier de l’Ordre de Mérite » ausgezeichnet. 

VON NICO MULLER 

Die Groβherzogliche Familie

Die Groβherzogliche Familie wurde von Premierminister Xavier Bettel, vom Parlamentspräsidenten Mars Di Bartolomeo und der hauptstädtischen Bürgermeisterin Lydie Polfer in Empfang genommen

Die prächtig dekorierte Philharmonie bildete den Rahmen für den zivilen Festakt am Nationalfeirtag.

Die prächtig dekorierte Philharmonie bildete den Rahmen für den zivilen Festakt am Nationalfeirtag.

Dreifaches “Vive” auf die Dynastie : Zahlreiche Schaulustige fanden sich gestern Nachmittag zur traditionnellen Militärparade in der Avenue de la Liberté ein.

Dreifaches “Vive” auf die Dynastie : Zahlreiche Schaulustige fanden sich gestern Nachmittag zur traditionnellen Militärparade in der Avenue de la Liberté ein (Fotos : Laurent Blum).

Der Nationalfeiertage selbst war für die offiziellen Feierlichkeiten reserviert. Gestern um 11 Uhr wurden von Fetschenhof aus die 21 Kanonenschüsse zu Ehren des Groβherzogs abgefeuert.

Der Nationalfeiertage selbst war für die offiziellen Feierlichkeiten reserviert. Gestern um 11 Uhr wurden von Fetschenhof aus die 21 Kanonenschüsse zu Ehren des Groβherzogs abgefeuert (Fotos : Alain Piron).

Luxemburger Wort - Fotos: Gerry Huberty / Alain Piron / Laurent Blum

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