Ein Umdenken tut not

Mercredi 19 août 2015

Von bisher neun Rekruten schaffte nur einer den Sprung zum Profispieler

Nach einer einjährigen Erfahrung in der ersten rumänischen Liga kehrte Handballer Eric Schroeder nach Luxemburg zurück, um kurze Zeit später die Armee zu verlassen.

Nach einer einjährigen Erfahrung in der ersten rumänischen Liga kehrte Handballer Eric Schroeder nach Luxemburg zurück, um kurze Zeit später die Armee zu verlassen.

Seit 1998 besteht für Luxemburger Topsportler die Möglichkeit, unter bestimmten Bedingungen die Elitesportsektion der Luxemburger Armee zu integrieren. Neben mehr als 40 Individualsportlern nutzen bislang auch neun Sportler aus vier Mannschaftssportarten diese Option. Mit sehr bescheidenem Erfolg allerdings.

Vier Handballer, drei Basketballer sowie je ein Fußballer und Volleyballer waren beziehungsweise sind noch immer Mitglied der Elitesportsektion der Luxemburger Armee. Das Ziel der vom damaligen Sportminister Alex Bodry eingeführten Initiative war, verbesserte Trainingsmöglichkeiten für die Luxemburger Topsportler zu schaffen. Von Beginn an gab man sich recht ambitiös bei den Auswahlkriterien: die Möglichkeit, nach einer viermonatigen Grundausbildung freigestellt zu werden, sollte nur für wenige – und in einer ersten Phase nur für individuelle Sportler – gelten.

Knapp zehn Jahre später wurde die Elitesportsektion jedoch auch für die Kollektivsportler geöffnet. Chris Sagramola, ein Fußballer, debütierte am 9. Mai 2008. Mittlerweile sind ihm acht weitere Kollektivsportler (im Durchschnitt stößt ungefähr einer jährlich neu hinzu) gefolgt. Theoretisch sollen die verbesserten Trainingsmöglichkeiten diesen Sportlern eigentlich zum Sprung in den Profisport verhelfen. Für diesen Schritt sind in der Regel maximal drei Jahre vorgesehen.

Fehlendes Leistungsniveau?

Sagramola schaffte den Sprung zum Profi nicht. Damit war er kein Einzelfall in der Luxemburger Armee. Das gleiche Schicksal wie der ehemalige Fußballnationalspieler teilen noch sieben der acht restlichen Mitglieder der Elitesportsektion. Lediglich Handballer Eric Schroeder versuchte sein Glück bei einem Profiverein. Doch nach einem Jahr in Suceava, bei einem der stärksten Handballvereine in Rumänien, kehrte er nach Luxemburg zurück. Es gab vielerlei Gründe, warum den anderen Rekruten der Sprung ins Ausland nie gelang. Das ging von einem Umdenken in der Karriereplanung über anhaltende Verletzungssorgen bis hin zu einem – brutal ausgedrückt – ungenügenden Leistungsniveau.

Die Armee bietet a priori ein sehr interessantes Gesamtpaket an Diensten für Sportler aus welcher Disziplin auch immer an. Neben monatlichem Sold und entsprechender sozialer Absicherung genießt der Athlet eine quasi unbegrenzte Reisefreizügigkeit. Will heißen, dass er seinen Lebensmittelpunkt nicht im Großherzogtum behalten muss, sondern diesen zu Trainingszwecken ins Ausland verlegen kann.

Gleichzeitig ermöglicht die Armee den Elitesportlern den Wechsel zu einem Profiverein (mit einer entsprechenden finanziellen Entschädigung), ohne das Heer verlassen zu müssen! Dies ist allerdings nur möglich, wenn die zum regulären Sold zusätzlich ausbezahlte Entschädigung einen definierten Festbetrag nicht überschreitet. Auch für die ausländischen Clubs oder Mannschaften ist diese Regelung interessant, ist der Luxemburger Sportler doch auf dem Markt relativ preisgünstig zu „haben“. Trotzdem war der bisherige Versuch, die Kollektivsportler in die Elitesektion zu integrieren, um ihnen den Sprung ins Profigeschäft zu ermöglichen, ein Fiasko. Selbst wenn man dies auf höchster Ebene so öffentlich nicht ausdrücken will. Gleichzeitig drückt man sich aber auch vor einer tiefer gehenden Analyse der aktuellen Situation. Also weiter mit dem „Business as usual“?

Ist die Elitesportsektion möglicherweise nicht das geeignete Instrument, um Luxemburger Sportler aus einer kollektiven Sportart erfolgreich zu „exportieren“? Eines der hauptsächlichsten Probleme stellt sich bei den Trainingseinheiten. Der Basket-, Fuß-, Hand- oder Volleyballer hat nach der erfolgreich bestandenen Grundsatzausbildung zwar mehr Zeit zum Training, muss die zusätzlichen Einheiten allerdings ohne Mitspieler absolvieren. Mit allen Konsequenzen, die dies in einer Mannschaftssportart bedingt. Es gibt positive, die negativen überwiegen allerdings.

Solche Überlegungen würde man sich im Sinne einer Optimierung der Sportsektion von den zuständigen Stellen (Armee, COSL und Sportministerium) wünschen. Doch von dort hört man wenig. Selbst die Erkenntnisse einer detaillierten Untersuchung, die vor rund drei Jahren erstellt worden sein soll, hütet man wie seinen Augapfel. Strengste Geheimhaltung, nicht nur in der Armee, sondern auch im Sport. Oder interessiert man sich an den zuständigen Stellen einfach nur nicht dafür?

VON LAURENT SCHÜSSLER

Luxemburger Wort - FOTO: DANI VATAMANU

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