Eine explosive Arbeit

Vendredi 23 octobre 2015

Acht Männer, 24 Stunden Bereitschaft, 250 Einsätze im Jahr

Eine explosive Arbeit

Besonders im Norden des Landes werden die meisten Kampfmittel und sonstigen Hinterlassenschaften kriegerischer Auseinandersetzungen aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden.

Der „Service de déminage de l'armée luxembourgeoise“ (Sedal) arbeitet rund um die Uhr, um im Falle eines Bombenfundes oder anderen Kriegsgeschützen schnell vor Ort zu sein und für Sicherheit zu sorgen. Wie sieht der Alltag eigentlich aus?

Es ist Mittwoch, der 1. Mai 2014. Der Ortskern von Oberwampach im Norden des Landes muss für den Verkehr gesperrt werden. Einige Anwohner müssen ihr Haus verlassen. Am Tag zuvor wurde bei Baggerarbeiten eine 250 Kilogramm schwere Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Der „Service de déminage de l'armée luxembourgeoise“ (Sedal) rückt an. Um 15 Uhr beginnen die Männer mit der Entschärfung der Bombe, um 20 Uhr dann die Entwarnung. Die Menschen können in ihre Häuser zurück, die Bombe konnte entschärft werden, niemand kommt zu Schaden.

Sprengsätze wie Fliegerbomben entschärfen gehört zwar nicht zum Alltag der acht Männer des Sedal, doch im Schnitt rücken sie 250 Mal pro Jahr aus. Dabei finden sie meist Munition und Artilleriegranaten aus dem Zweiten Weltkrieg vor.

Adjudant-Major Roland Birchen und Adjudant-Major Paul Reiser sind seit fast 30 Jahren im Job. Ob sich über die Jahre etwas geändert hat? Roland Birchen erinnert sich: „In jungen Jahren ging man vielleicht noch aufgeregter an die Sache heran. Heute hat man meist schon die Lösung parat, bevor man anfängt.“

Ruhe, Durchhaltevermögen und einer circa sechsjährigen Berufserfahrung als Soldat bedarf es bei der Ausbildung zum Kampfmittelräumdienstler. Das Studium dauert 18 bis 20 Monate und findet in Belgien statt. Während dieser Monate wird man regelmäßig unter Stress gesetzt, um bestimmte Übungsaufgaben zu lösen. Das Hauptaugenmerk liegt in der Erkennung der verschiedenen Munitionstypen und der Gefahren, die sie bergen. Später wird auch das Sprengen und Entschärfen von Munition geübt. In einer zweiten Phase lernt man dann den Umgang und die Sicherstellung von Sprengfallen. Im Einsatz arbeitet man immer in Zweierteams zusammen. „Falls mal etwas passiert, weiß man, dass jemand da ist, der weiß, was zu tun ist“, so Paul Reiser.

Das Einsatzgebiet

Das tägliche Einsatzgebiet der Soldaten ist mal mehr, mal weniger gefährlich. Wenn Bomben zu entschärfen sind, werden die Nerven der Männer schon mal strapaziert. Der Risiken ihres Jobs sind sich beide Männer aber bewusst. „Wir arbeiten mit Munition. Sie wurde hergestellt, um Menschen zu töten“, erklärt Roland Birchen. Er hat immer noch großen Respekt vor den Gefahren, die der Beruf birgt.

Meist findet die Arbeit im Freien statt, denn die Mehrheit der Sprengsätze werden bei Bauarbeiten oder beim Pflügen von Feldern gefunden. Nicht immer kann die Munition abgetragen und später gesprengt werden. In manchen Fällen muss dies vor Ort geschehen. Wie die Männer vorgehen, ist vom Zustand des Zünders abhängig und muss von Fall zu Fall entschieden werden. Mit der Zeit werden die Sprengsätze immer gefährlicher und nicht weniger, wie das oft vermutet wird. Muss der Sprengsatz unschädlich gemacht werden, sind das Wissen und die Erfahrung der Soldaten gefragt.

Während ihrer Arbeit tragen sie keinen Schutzanzug, da dieser sie mehr behindern würde als nützen. „Bei den meisten Munitionstypen bietet ein Schutzanzug keine zusätzliche Sicherheit. Ein Fehler wäre fatal“, so Paul Reiser. Nur bei Auslandseinsätzen tragen die Männer manchmal die volle Schutzmontur. „Diese dient zum Schutz vor den Fehlern anderer (z. B. bei der Arbeit im Minenfeld)“, erzählt Roland Birchen. Der Bombenschutzanzug kommt nur zum Einsatz, wenn kein Roboter eingesetzt werden kann.

Die Männer waren bereits im Libanon, in Kambodscha, Bosnien usw. im Einsatz. Dafür besitzt die Sedal das nötige technische Material, das in einem großen Keller gelagert ist. Auch ein großer einsatzbereiter Truck steht vor der Tür des Sedal-Gebäudes in Waldhof. „In dem Truck haben wir bereits während einiger Auslandseinsätze schlafen müssen“, lächelt Paul Reiser und zeigt auf den breiten Flur im Inneren des grünen Lastwagens.

Doch nicht jeden Tag im Leben der Männer der Sedal ist gefährlich. Ein Teil der Aufgabe der Soldaten besteht in der Fortbildung. Sie müssen sich ständig auf den neuesten Stand bringen, um die Maschinen und das Material bedienen zu können, die sie für ihre Arbeit brauchen.

Fortbildungskurse

Der „Service de déminage“ bietet neben verschiedenen Diensten auch Weiterbildungen an. Er informiert z. B. Mitarbeiter von Recycling-Zentren und Stahlwerken darüber, wie die Munitionstypen aussehen und wie sie sich verhalten sollen, wenn altes Kriegsmaterial bei ihnen landet.

Aber auch sonst wird es beim Sedal in Zukunft nicht langweilig werden. „Wir können nicht feststellen, dass ein Ende unserer Arbeit in Sicht ist“, so Roland Birchen. Wenn der Bauperimeter erweitert wird, oder neue landwirtschaftliche Nutzflächen hinzu- kommen, dann kommt immer wieder Kampfmaterial aus den Kriegszeiten zutage.

Luxemburger Wort - VON DIANA HOFFMANN (ARCHIVFOTOS: MARC WILWERT)

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