Mehr als Räuber und Soldat

Vendredi 28 avril 2017

Rückblick auf ein nicht alltägliches Beispiel von Zivilcourage und Nachbarschaftshilfe in Ettelbrück

Zivilcourage und der Blick für den Nächsten sind Tugenden, denen heute gemeinhin nachgetrauert wird.Dass es sie immer noch gibt, belegt indes der Fall eines jungen Soldaten, der jüngst in Ettelbrück einen Einbrecher stellte. Eine kleine Heldengeschichte unter Nachbarn.

Etwas mulmig ist Maria ja immer noch zumute, wenn sie an Gründonnerstag zurückdenkt. Dass sich ein Fremder auf der Suche nach Beute in ihrem Haus herumgetrieben hat, während sie in der Kirche war, macht die ältere Dame sichtlich betroffen. Doch gesellt sich zu der unguten Erfahrung, Opfer eines Einbruchs geworden zu sein, zugleich auch ein Gefühl tiefer Dankbarkeit hinzu.

Dankbarkeit nach unguter Einbruchserfahrung

Dankbarkeit für ihren jungen Nachbarn, der beim Vernehmen des ungewohnten Lärms im Hause gegenüber nicht nur instinktiv nach dem Rechten gesehen hatte, sondern den flüchtenden Eindringling auch noch gleich stellen und der Polizei übergeben konnte. Ein Akt der Zivilcourage und der Nachbarschaftshilfe, der sicher nicht alltäglich ist, auch wenn sie der 23-jährige Mohamed persönlich als Selbstverständlichkeit verstehen mag.

„Als ich an jenem Nachmittag gegen 17.45 Uhr von der Arbeit nach Hause kam und nach dem Abstellen des Wagens vom Nachbarhaus her das Geräusch zersplitternden Glases vernahm, habe ich natürlich gleich nachsehen wollen, ob alles in Ordnung ist. Immerhin kenne ich unsere Nachbarin schon von Kindesbeinen an“, erzählt der gebürtige Ettelbrücker, dessen Familie ursprünglich aber aus Mazedonien stammt. „Als ich erkannte, dass in der Tat ein Fenster offen stand, klingelte ich zunächst mehrmals erfolglos an der Haustür, bis ich dann plötzlich eine Person über die Umzäunung des Außengeländes springen sah. Als er trotz Aufforderung nicht stehen blieb, bin ich dem Mann dann einfach, ohne zu zögern, hinterher.“

Was folgt, ist eine kurze Verfolgungsjagd über mehrere hundert Meter hinweg, bis Mohamed den Flüchtigen schließlich in einer schmalen Nebengasse zu fassen bekommt und festhalten kann. „Da ich kurz zuvor eine Polizeipatrouille am Bahnhof gesehen hatte, habe ich den Einbrecher dann gleich zu den Beamten rübergeschafft. Die waren zunächst natürlich ganz schön überrascht“, schmunzelt der 23-Jährige, der seinen Einsatz dennoch nicht als besondere Ruhmestat verstanden wissen will.

„Ich konnte dem flüchtenden Eindringling doch nicht einfach so tatenlos hinterherschauen. Für mich war jedenfalls instinktiv klar, dass ich versuchen musste, ihm zu folgen“, sagt er. Ein Pflicht- gefühl, das dem jungen Mann womöglich gar in den Genen liegt, immerhin steht Mohamed zur- zeit als Soldat in Diensten der Luxemburger Armee.

Ein Mann ohne Sinn für Heldengesänge

„Ich habe ihm gesagt, dass er meiner Meinung nach durchaus ein paar Zusatzpunkte auf dem Herrenberg verdient hätte“, befindet denn auch Maria, die ihrem aufmerksamen Helfer bereits mit einem ordentlichen Oster- geschenk für seine selbstlose Tat gedankt hat. „Er hat mir geantwortet, für seine Nachbarn müsse man im Fall der Fälle doch da sein. Und ich kenne ihn gut genug, um zu wissen, dass er dies auch genau so meint“, sagt sie.

Gibt Mohamed auch nicht viel auf Heldengesänge, so scheint seine spontane Verbrecherjagd ihn doch in einem bestätigt zu haben: „Ich wollte eigentlich immer schon Polizist werden. Sieht so aus, als würde mir das wirklich liegen ...“ Dem dürfte wohl kaum noch etwas hinzuzufügen sein.

VON JOHN LAMBERTY

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