Museum mit doppeltem Facelifting

Samedi 05 août 2017

Jung, sportlich, dynamisch: Der neue Kurator des „Musée national d'Histoire militaire“ in Diekirch will das Museum ins digitale Zeitalter führen. Vor allem für die jüngere Generation soll die Kriegsgeschichte so greifbarer werden. 

Das nationale militärhistorische Museum in Diekirch steht vor einem Neuanfang. Das hat allerdings nicht nur damit zu tun, dass Benoît Niederkorn neuer Kurator ist, sondern auch damit, dass das Museum mit verändertem Konzept wieder attraktiver gestaltet werden soll.

Sein Beruf sollte schon etwas mit Geschichte zu tun haben, weshalb es Benoît Niederkorn zunächst einmal als Geschichtslehrer versuchte. Nachdem er zur „Rentrée“ 2016 einen Stagiarplatz an einem hauptstädtischen Lyzeum angenommen hatte, sollte die berufliche Karriere des 29-Jährigen allerdings schon wenige Wochen später eine ganz andere Richtung einschlagen.

Im Winter schrieb die Armee den Posten eines Kurators für das nationale militärhistorische Museum (MNHM) in Diekirch neu aus. Diesen hatte zuvor während über 30 Jahren Roland Gaul bekleidet, der sich Ende Oktober in den Ruhestand zurückzog.

Der richtige Mann am richtigen Platz

Benoît Niederkorn reichte spontan seine Kandidatur ein und vermochte sich unter mehreren Kandidaten problemlos durchzusetzen. Er konnte seinen neuen Arbeitgeber, die Armee, restlos davon überzeugen, dass er der richtige Mann am richtigen Platz sein würde. Denn für Militärgeschichte interessiert sich Benoît Niederkorn nicht erst seit seiner Kandidatur, sondern schon seit vielen Jahren.

„Zum Abschluss meines Geschichtsstudiums in Freiburg schrieb ich eine Bachelor-Arbeit über die Behandlung von Kriegsgefangenen im Ersten Weltkrieg auf deutscher und französischer Seite. Dabei ging ich völlig auf in Militärgeschichte, die mich fasziniert“, meint Benoît Niederkorn.

In seiner Abschlussarbeit als Masterstudent in Regensburg schrieb Niederkorn derweil über logistische Probleme der Armeen im Zeitalter Maria Theresias (18. Jahrhundert) auf deren Marschroute durch Luxemburg. Darüber hinaus tätigt er auch schon seit Jahren Recherchen über die Luxemburger Freiwilligen-Kompanie der Jahre 1881 bis 1940 und beschäftigt sich intensiv mit der Bitburger Zeit der Luxemburger Armee.

Neuanfang schon vor längerer Zeit in die Wege geleitet

Das neue Konzept sieht vor, die Ausstellungsstücke vermehrt chronothematisch zur Schau zu stellen.

Des zehnmonatigen Benevolats im MNHM, das Benoît Niederkorn bereits 2014 absolviert hatte, bedurfte es da schon nicht mehr wirklich, um seine Prüfer davon zu überzeugen, dass er das perfekte Profil hat, um neuer Kurator zu werden.

Das MNHM steht derzeit vor einem Neuanfang. Dies rührt allerdings nicht alleine daher, dass ein junger Kurator mit neuen Ideen angetreten ist, oder weil das Museum gerade vergrößert wird, sondern auch dass die Museums-Verantwortlichen um Präsident Frank Rockenbrod noch zu Zeiten von Roland Gaul zur Überzeugung gelangt waren, mit neuem Konzept in die Zukunft zu gehen und dem Museum nach 30 Jahren ein Facelifting zu verpassen. Deshalb war auch schon 2015 Geschichtslehrer Philippe Victor vom Düdelinger „Lycée Nic-Biever“ freigestellt worden, um bei diesem Unternehmen mit Hand anzupacken.

Das Museum soll in Zukunft vor allem die jüngere Generation ansprechen. „Deswegen reicht es nicht, schöne Dioramen oder Kriegsmaterial einfach nur zu zeigen, es müssen erklärende Elemente hinzukommen, um sie interessant zu machen. Nur über Storytelling kann man Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene wirklich erreichen“, so Benoît Niederkorn. Das könnten Erklärtafeln, aber auch Audioaufnahmen oder Videos sein.

In den kommenden fünf Jahren soll das Museum denn auch übersichtlicher gestaltet werden. So manche Ausstellungsstücke werden aussortiert, um andere besser präsentieren zu können. Diesem Vorhaben kommt der Museumsausbau, der zu Beginn 2018 abgeschlossen sein soll, natürlich entgegen. Bei der Objekt-Ausstellung will man in Zukunft einerseits thematisch, andererseits chronologisch vorgehen.

Dem Museum, das jährlich rund 26 000 Besucher zählt, stehen diese Veränderungen sicherlich gut zu Gesicht.

Das Museum wird gerade ausgebaut. Damit wird es möglich, die Ausstellung in Zukunft etwas „luftiger“ zu gestalten und somit auch zugänglicher.

LuxemburgerWort, von Nico Muller, Fotos : Nico Muller

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