Ein Hauch von Top Gun

Mercredi 10 juin 2015

Luxemburg bildet sechs A400M-Piloten aus

Die künftigen A400M-Piloten : Gilles Van Dyck, Gilles Loos und Daniel Olsem (v.l.n.r.).

Die künftigen A400M-Piloten : Gilles Van Dyck, Gilles Loos und Daniel Olsem (v.l.n.r.). 

Luxemburg hat sich beim Kauf eines A400M zur Ausbildung von sechs Piloten verpflichtet, die in die belgische Crew eingegliedert sind. Fünf befinden sich in der Ausbildung, der sechste und letzte wird noch in diesem Jahr rekrutiert. Vom Eintritt in die Ecole Royale militaire in Brüssel bis zum ausgebildeten Flugkapitän vergehen gut und gerne 15 Jahre.

Der heute 29-jährige Gilles VanDyck. Beide fliegen auf der C-130 Hercules, dem Vorläufer des A400M, Auslandseinsätze für die EATC, das Europäische Lufttransportkommando, dem sieben Länder angehören, darunter Belgien und Luxemburg.  Die meisten Flügen sind logistischer Natur, beide Co-Piloten haben aber auch eine taktische Flugausbildung, dürfen also in Krisengebiete fliegen.

Gilles Loos ist der jüngste in der Runde. Ende 2014 machte der 28-Jährige seine ersten Flugerfahrungen. Er fliegt ausschlieβlich logistiche Ausbildung schlieβt er frühestens Ende 2016 ab.

C-130 und A400M sind zwar keine Kampfjets, dennoch erinnern die drei Luxemburger Piloten irgendwie an die Typen von Top Gun : Sie sind jung, sportlich, sehen gut aus und sind selbstbewusst. Ein gewisser militärischer Drill ist unverkennbar : gerade Haltung, höfliches Auftreten, aufmerksames Zuhören. Leutnant Van Dyck entschuldigt sich, als er Oberstleutnant Pascal Ballinger, dem luxemburgischen Verbindungsoffizier bei der belgischen Luftwaffe, aus Versehen dazwischenredet, und wartet, bis dieser seine Gedanken zu Ende ausgeführt hat.

Wer zweimal patzt, ist drauβen

Die Anforderungen an den Pilotenjob sind nicht die mindesten. « Man muss stressresistent und flexibel sein », sagt  Leutnant Loos.  « In diesem Job lernt man nie aus », erzählt Leutnant Van Dyck. Jedes Jahr müssen die Piloten sich einem Flugtest unterziehen. « Wer ihn zweimal vermasselt, ist drauβen, sagt Leutnant Olsem.

Fragt man sie, ob sie Angst vor dem Scheitern haben, schauen sie ganz verblüfft. Diese Frage stellen sie sich nicht. Für  ihren Traumjob nehmen sie alles in Kauf : die Ausbildung, die nie zu enden scheint und während der immer wieder Neues von ihnen verlangt wird, Flugtests, Bewertungen, unregelmäβige Arbeitszeiten, Einsatzbereitschaft zu jeder Tag- und Nachtzeit, das Wissen um das frühzeitige Ende einer Flugkapitänkarriere. Mit 45 Jahren ist nämlich sehr häufig Schluss. Dann erwartet die jungen Wilden ein Bürojob innerhalb des Militärstabs.

Olsem und Van Dyck haben bereits heute einen « Ground Job », damit sie Einblick in andere Teilbereiche erhalten, wie sie sagen.  Olsem ist im Bereich « Flight operations » für das Planen und Ausarbeiten von Einsätzen zuständig, Van Dyck ist « Officer in charge » und verantwortlich für die Planung der Trainingsflüge und die Fallschirmsprünge. Gilles Loos hat noch keinen « Ground Job ». Er soll sich auf das Fliegenlernen konzentrieren.

Damit die teure und langwierige Ausbildung sich auszahlt, liegt das Rekrutierungsalter in Luxemburg zwischen 18 und 24 Jahren. Bisher gab es noch keine Verluste. Niemand ist gescheitert oder hat aufgegeben. Gilles Loos « kostete » bisher 1.6 Millionen Euro. Die Trainingsflüge werden von der belgischen Armee in Rechnung gestellt. Eine Flugstunde kostet im Schnitt zwischen 6000 und 7000 Euro. Daniel Olsem hat noch rund 250 Flugstunden vor sich, bevor er die Ausbildung zum Flug kapitän beginnt.

Pioniere in der militärischen Luftfahrt

Bis jetzt hat keiner der drei Piloten Flugerfahrung auf einem A400M. Die sechsmonatige Umschulung beginnt erst kurz vor der Auslieferung, denn sobald die Piloten umgeschult wurden, dürfen sie keine C-130 mehr fliegen. Die belgischen Bestimmungen erlauben keine doppelten Qualifikationen.

Der drei Leutnants sind stolz, hierzulande zu den Pionieren in der militärischen Luftfahrt zu zählen. Und sie wehren sich gegen das negative Bild, das die Menschen ihrer Meinung nach vom Projekt A400M haben. « Luxemburg wird erstmals nich nur einen rein finanziellen, sondern einen operativen Beitrag leisten und dadurch an Glaubwürdigkeit und an Visibilität in der internationalen Militärgemeinschaft gewinnen », ist Leutnant Olsem überzeugt. Auch Leutnant Van Dyck ist daran gelegen, den Menschen, die sich fragen, wozu Luxemburg ein solches Flugzeug braucht, klarzumachen, « dass die Maschine nicht rein nationalen Zwecken dient, sondern Teil unseres Nato-Beitrags ist ».

Den Absturz eines A400M Anfang Mai nahe Sevilla bedauern die Piloten. « Es ist traurig, wenn Menschen für technische Fehler mit ihrem Leben bezahlen », sagen sie. Sie gehen aber davon aus, dass der Militärtransporter bis 2019 in einem technisch einwandfreien Zustand sein wird und hoffen vor allem eins : Dass sich der Auslieferungstermin nicht weiter verzögert. (mig)

Luxemburger Wort - Foto: ANOUK ANTHONY

Revenir à la liste des actualités