“Stiller Einzug” der Armee

Vendredi 24 juillet 2015

Am 10. Juli vor 60 Jahren auf dem Diekircher Herrenberg.Neue Kaserne für Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten zählte seiner zeit zu den modernsten Europas 

Blick auf die im Bau befindlichen Gebäude ab dem Wachläuschen am Eingang der Kaserne, vor über 60 Jahren.

Blick auf die im Bau befindlichen Gebäude ab dem Wachläuschen am Eingang der Kaserne, vor über 60 Jahren.

“10. Juli 1955. Eine neue ära hat für Diekirch begonnen!” So überschreibt Ben Molitor seinen Leitartikel im “Le Nord”, der den feierlichen Einzug der luxemburgischen Armee in die neue Kaserne auf dem Herrenberg ankündigt. Genau zehn Jahre zuvor – im Sommer 1945, als der obligatorische Militärdienst eingeführt wurde – hatte sich Diekirch als Garnisonsstadt beworben, und zwar mit dem Argument, dass schon im vorigen Jahrhundert, von 1847 bis 1868, das 2. Jägerbataillon im “Kolléisch”, der ja als Kaserne gebaut wurde, untergebracht war. 

Es war im Jahr 1949, als die Diekircher Gemeindeverantwortlichen seitens der Regierung die definitive Zusage für den Bau einer neuen Kaserne auf dem Herrenberg erhielten. Die Bauarbeiten begannen allerdings erst im März 1953. Als Standort war ursprünglich die damalige Pferderennbahn an der Felser Straβe  (wo sich der heutige Sportkomplex befindet) vorgesehen.
Doch schlieβlich entschied man sich, die Kaserne auf einem 40 Hektar groβen Areal auf dem Herrenberg zu errichten, das die Gemeinde im März 1949 der Brauerei “Pied-boeuf” aus Jupille abgekauft und dem Staat zur Verfügung gestellt hatte.
Die Pläne des lokalen Fremdenverkehrsvereins, dieses Terrain zu touristischen Zwecken zu erschlieβen und es mittels eines Sessellifts zugänglich zu machen, mussten zugunsten des militärischen Projekts aufgegeben werden.

Groβbaustelle Herrenberg: Acht Bauunternehmen waren daran beteiligt.

Groβbaustelle Herrenberg: Acht Bauunternehmen waren daran beteiligt.

Offiziere aus der “Revolvergaass”

Voraussetzung für die Verlegung der Kaserne auf das Herrenbergplateau war allerdings der Bau einer neuen Zufahrtsstraβe und einer Kanalisation für die Trinkwasserzufuhr und die Abwässerentsorgung. Diese umfangreichen und kostenintensiven Infrastrukturarbeiten waren zu Lasten des Staates. Aufgabe der Gemeinde war es, den erforderlichen Wohnraum für die Offiziere und Unteroffiziere bereitzustellen. 1953 verkauft sie deshalb den “Heckepäsch”, das Areal des “Hôtel des Ardennes”, das sie erst kurz zuvor erstanden hatte, an den Staat, der dort die sogenannte “Cité militaire” errichtete, wo die Unteroffiziere mit ihren Familien wohnen sollten.

Darüber hinaus bemühte sich der Schöffenrat, neues Bauland für die Offiziersfamilien zu erschlieβen, da die Kasernierungsverordnung damals vorsah, dass die Armeekader ausschlieβlich in Diekirch wohnen sollten, Anfänglich waren es hauptsächlich zwei Straβen, in denen sie sich ansiedelten: die Gilsdorfer Straβe und die “Rue du 11 Septembre”, die dann auch im Voksmund “Revolvergaass” genannt wurde.

Für die Planung der Kasern sollte sich eine Spezialkommission, der neben Militärexperten auch die beiden Architekten Theis und Thill angehörten, an modernen Kasernenbauten im Ausland orientieren. Als ideal galt damals, die Soldaten nicht mehr in riesigen Gebäuden zusammenzupferchen, sondern sie in kleineren Pavillons unterzubringen. Obwohl diese Pavillon-Konzept sehr kostspielig war, entschied man sich dafür, so dass nun auf dem Herrenberg eine der modernsten Kasernen Europas entstand. Gebaut wurden 16 Whohnpavillons, sechs zusätzliche für die Verwaltung sowie Gebäudenblocks für den Generalstab, die Intendanz, die Soldatenküche mit Kantine, das Offiziers- und Unteroffizerskasino, die Garagen, die Autoreparaturwerkstatt, die Krankenstube, die Kapelle, die Heizungsanlagen und die Turnhalle. Einziger Schönheitsfehler war nach Ansicht von Experten, das sim Vergleich zu ähnlich groβen Kasernen im Ausland das Ubungsgelände etwas klein ausgefallen war...

Köperliche Scherstarbeit hoch über den Dächern der Stadt Diekirch?

Köperliche Scherstarbeit hoch über den Dächern der Stadt Diekirch?

Acht Bauunternehmen…

Obwohl gleich acht Bauunternehmen an der Realisierung dieses Groβprojekts beteiligt waren, konnte es nicht fristgemäβ abgeschlossen werden, vor allem weil sich die Terrainbeschaffenheit doch als problematischer erwies, als man angenommen hatte.

Als die Armee am 10. Juli 1955 auf dem Herrenberg einzog, waren nur die Wohnblocks bezugsfertig. Deshalb “stellate man sich in Diekirch auf einen stillen Einzug der Armee ein”, wie im “Le Nord” vom 7.Mai 1955 nachzulesen ist. Doch der Umzug der Armee von Bitburg nach Diekirch sollte schlieβlich dann doch noch festlicher als angenommen ausfallen,  wie es das offizielle Festprogramm belegt.

Die Stadt an der Sauer war also zum zweiten Mal in ihrer Geschichte Garnisonsstadt geworden. Mögen die Diekircher anfänglich den Leuten in Uniform mit einer gewissen Skepsis begegnet sein, so sollte sich mit der Zeit dennoch eine fruchtbare Symbiose zwischen Militär- und Zivilbevölkerung, zwischen Herrenberg und der Stadt Diekirch entwickeln. 

60 Jahre sind seit dem Bau der Kasern vergangen. Dass dies eine lange Zeit ist, kann man auch unschwer am Arbeitsmaterial erkennen.

60 Jahre sind seit dem Bau der Kasern vergangen. Dass dies eine lange Zeit ist, kann man auch unschwer am Arbeitsmaterial erkennen.

Armee kam Sessellift in die Quere …

Areal des Herrenbergs sollte ursprünglich zur touristischen Attraktion werden

Als zu Beginn des Jahres 1949 die Stadt Diekirch in den Besitz des Herrenberg-Areals kam, wollte der locale Fremdenverkehrsverein die einmalige Gelgenheit nutzen, um dieses Terrain für den Tourismus zu erschlieβen, da zu diesem Zeitpunkt die geplante Kaserne immer noch auf dem Pferderennplatz an der Felse Straβe gebaut werden sollte. 

Als Stadt, die dank der Verdienste von Alexis Heck als “Wiege des Tourismus” bezeichnet wird, sah man sich zu innovativen Maβnahmen auf diesem Gebiet verpflichtet. Vorgesehen war der Bau eines Hotels, mehrerer Gaststätten, eines Aussichtsturmes und die Anlage eines Flugplatzes für Sportflugzeuge auf dem Plateau. Dort hinauf gelangen sollten die Besucher mittels eines Sessellifts, der die touristische Attraktivität der Stadt entschieden gesteigert hätte.

So wurde noch im Laufe des Jahres 1949 eine “Herrenberg-Lift-Gesellschaft” gegründet. Mitglied konnte jeder werden, der wenigstens einen Anteilschein von 1 000 Franken zeichnete und einen jährlichen Beitrag zahlte.

Fortan erschienen in der Lokalzeitung “Le Nord” regelmäβig Artikel, die sich mit dem Bau dieses Sessellifts beschäftigten. Auch wurden immer wieder für Lotterien zugunsten dieses Projekts geworben, und ebenfalls im “Luxemburger Wort”, im “Tageblatt” und in der “Revue” wird es als zukunftweisende Innovation dargestellt.

Wenigstens sechs verschiedene Linienführungen wurden damals in Erwägung gezogen: fünfdavon sollten von der Esplanade ausgehen, eine sogar vom heutigen Gemeindecamping über die Sauer bis auf das Plateau des Herrenbergs, von wo au seine Verbindung bis nach Bastendorf hinab vorgesehen war.

Doch inzwischen hatte die Regierung beschlossen, die neue Kaserne auf eben diesem HerrenbergPlateau zu bauen, und am 11. Dezember 1950 schreibt der Staatsminister an den Schöffenrat: “Au cours des mois écoulés on ne cesse de parler de l’installation d’un télésiège au Härebierg. Comme l’enclos de la caserne sera réservé exclusivement aux militaires il faut se demander si un pareil projet qui reviendrait très cher pourrait avoir le rendement économique escompté… »

Somit war der Traum vom Diekircher Sessellift ausgeträumt. Gebaut wurde er einige Jahre später in Vianden…

Zahlreiche Prominenz während der Feier, die aus Anlass des Einzugs der Armee in die neue Kaserne abgehalten wurde.

Zahlreiche Prominenz während der Feier, die aus Anlass des Einzugs der Armee in die neue Kaserne abgehalten wurde.

Luxemburger Wort - VON ERN BREUSKIN - FOTOS : ARCHIVES PHOTOTHÈQUE LUXEMBURG-STADT

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