Krisenfonds kommt nur bedingt zum Einsatz

Lundi 25 juillet 2016

Großalarm im Nordosten des Landes

Ärenzdall/Fels/Nommern/Reisdorf. Am Freitagabend fanden zwischen 20 und 23 Uhr rund 300 Einsätze der Rettungskräfte in den Gemeinden Ärenzdall, Fels, Nommern und Reisdorf statt. Augenzeugen berichten, wie kurz nach 20 Uhr heftige Regenfälle niedergingen. Die Wassermassen verwandelten sich teilweise in einen reißenden Strom und rissen auch Wagen mit. André Kirschten, der Bürgermeister von Ärenzdall, bestätigte, wie innerhalb einer Dreiviertelstunde die weiße Ernz bis zu fünf oder sechs Meter aus ihrem Bett stieg. Dörfer waren nach heftigen Regenfällen von mehr als 70 Litern pro Quadratmeter und Schlammlawinen teilweise komplett von der Außenwelt abgeschnitten, berichteten Einsatzkräfte. Messungen ergaben, dass innerhalb 24 Stunden ein Zehntel der Regenmenge eines durchschnittlichen Jahres gefallen war. Am Freitagnachmittag hatte der Wetterdienst Meteolux noch von 25 bis 35 Litern Wasser pro Stunde gewarnt.

„So was haben wir hier noch nie gesehen“, so Innenminister Dan Kersch. Besonders die mitgerissenen Wagen sorgten für viel Aufregung: In Ermsdorf in der Gemeinde Ärenzdall kam die spezielle Rettungseinheit mit Froschmännern zum Einsatz, da nicht bekannt war, ob sich noch Personen in den Fahrzeugen befanden. Diese konnten schließlich Entwarnung geben, die Wagen waren leer.

Der Direktor der Rettungsdienste, Paul Schroeder, bestätigte im Gespräch mit dem LW, dass Ermsdorf wohl am heftigsten betroffen gewesen sei. Doch sagte er ganz klar: „Für alle Betroffenen ist die Situation sehr schlimm.“ Dennoch betont er: „Wenn man das Ausmaß der Zerstörung bedenkt, hatten wir Glück, dass kein Mensch zu Schaden gekommen ist.“

Neben den 250 bis 300 Rettungshelfern waren zudem 30 Soldaten der Armee, das Straßenbauamt, das Wasserwirtschaftsamt und die Polizei am Samstag im Einsatz. Auch am Sonntag waren noch fast 100 Rettungskräfte vor Ort. Straßen mussten von Wagen leer geräumt und Keller ausgepumpt werden – an einigen Stellen stand das Wasser bis zu zwei Meter hoch. Auch mehrere Brücken waren zusammengebrochen.

Schätzungsweise hätten zwischen 1 000 und 1 500 Menschen materielle Schäden erlitten. „Der Materialschaden ist enorm und zurzeit noch nicht zu beziffern“, so der Bürgermeister von Ärenzdall. Für die Einwohner sind die Folgen verheerend. Auch Kersch stimmte dem zu: „Das menschliche Leid kann man nicht messen.“

Krisenfonds für Härtefälle

Die Regierung möchte Anwohnern, die größere Schäden erlitten und jetzt unter Existenzangst leiden, schnell und unbürokratisch unter die Arme greifen. Kritisch sei die Zeit bis die Versicherungen den Schaden ersetzen. Bis dahin will der Staat einspringen und Beihilfen zahlen. Einige Bauernbetriebe haben alles verloren. In der nächsten Woche werden die Gemeindeverwaltungen Formulare ausgeben, auf denen die Bürger ihre Schäden angeben können. Dennoch warnte Kersch bereits: „Der Krisenfonds wird zunächst für Härtefälle eingesetzt, Menschen also, deren Existenz bedroht ist. Zurzeit ist keine genaue Summe vorgesehen und es gilt abzuwarten, was die jeweiligen Versicherungen zurückzahlen werden. Keineswegs kann man allerdings davon ausgehen, dass die Regierung für alle Schäden aufkommen wird.“

Der Krisenstab der Regierung, der am Samstag einberufen worden war, konnte am Sonntag deaktiviert werden. Kersch lobte die gute Arbeit von Feuerwehr und Zivilschutz. Er bestätigte, mir den vier betroffenen Gemeinden weiterhin in engem Kontakt bleiben zu wollen. Um nach der ersten Nothilfe weiterhelfen zu können, haben das Rote Kreuz und Caritas bereits zum Spenden aufgerufen. na/vb/ArWa/lb

Luxemburger Wort vom Montag, 25. Juli 2016

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