Trotz geborgtem Material

Vendredi 09 novembre 2018

Deutschland hat zum Nato-Großmanöver in Norwegen mehr Soldaten geschickt als alle anderen europäischen Alliierten. Das sei ein Signal der Stärke und Solidarität, sagt Verteidigungsministerin von der Leyen bei einem Truppenbesuch. Gerichtet ist es vor allem an die USA.

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat eine positive Zwischenbilanz der deutschen Beteiligung am größten Nato-Manöver seit Ende des Kalten Krieges gezogen. "Unsere Bundeswehr kann richtig stolz darauf sein, was sie hier leistet", sagte die CDU-Politikerin bei einem Truppenbesuch des riesigen Feldlager Rodsmoen nahe der norwegischen Stadt Rena. "Hochmotiviert, hochprofessionell", ergänzte von der Leyen. Von ausländischen Partnern bekommen sie viel Anerkennung und Respekt dafür zu hören, wie gut die Truppe aufgestellt und trainiert sei. Den rund 8000 deutschen Soldaten würden die "Ohren klingeln", wenn sie das hörten.

Von der Leyen machte zudem deutlich, dass die starke Beteiligung Deutschlands an "Trident Juncture" auch ein Signal an den Bündnispartner USA sein soll, der unter Präsident Donald Trump mit Nachdruck ein stärkeres Engagement der Bundesrepublik in Verteidigungsfragen einfordert. "Deutschland profitiert seit 70 Jahren von der Beistandsverpflichtung der Nato", kommentierte sie. Nun stelle man unter Beweis, dass sich "Partner und Freunde" auch auf Deutschland verlassen könnten. Deutschland sei nach den USA zweitgrößter Truppensteller bei der Übung.

Bundeswehr leitet Eingreiftruppe

Zudem wies von der Leyen darauf hin, dass die Bundeswehr im kommenden Jahr auch die Führung der schnellen Eingreiftruppe der Nato übernehmen wird. Die sogenannte VJTF (Very High Readiness Joint Task Force) war im Zuge der Ukraine-Krise aufgestellt worden und ist ein Element der Abschreckungsstrategie gegen Russland, der seit dem Beginn des Ukraine-Konflikts im Jahr 2014 wieder starke Aufmerksamkeit gewidmet wird. Die Militärübung in Norwegen gilt als letzter Stresstest für die VJTF. "Das ist eine große Herausforderung, aber wir meistern sie", sagte die Ministerin mit Blick auf die schnelle Eingreiftruppe.

Um die Ausrüstung für die Brigade zusammenzubringen, habe sich die Truppe jedoch erneut Material und Personal von anderen Einheiten leihen müssen. "Das sind die Spuren, die 25 Jahre des Sparens und Kürzens und Schrumpfens hinterlassen haben." 2023, wenn die Bundeswehr die schnelle Eingreiftruppe das nächste Mal übernimmt, solle die dann zuständige Brigade komplett mit ihrer eigenen Ausrüstung in den Einsatz gehen, kündigte von der Leyen an.

Darauf, dass auch die Übung ein Signal der Abschreckung an Russland aussenden soll, ging von der Leyen hingegen nicht explizit ein. Die Übung solle ein Signal der Stärke und Solidarität senden. Die Nato sei ein defensives Verteidigungsbündnis, das sich gegen niemanden richte, sondern nur die eigenen Mitglieder schütze, betonte sie. Auch von Russland angekündigte Schießübungen mit Marschflugkörpern vor der norwegischen Küste kritisierte die Ministerin nicht. Es sei positiv, dass Russland die zeitgleich mit "Trident Juncture" geplante Übung angekündigt habe, so von der Leyen. Dies sei nicht immer der Fall gewesen.

Training für Bündnisfall

Insgesamt nehmen derzeit rund 50.000 Soldaten aus den 29 Nato-Staaten sowie den Partnerländern Finnland und Schweden an "Trident Juncture" teil. Ziel des Manövers ist es, für den sogenannten Bündnisfall zu trainieren. Dieser könnte ausgerufen werden, wenn einer oder mehrere der 29 Mitgliedstaaten von einem Gegner angegriffen würden. In der Folge müssten dann die anderen Alliierten Beistand leisten.

Für die Bundeswehr bestand die große Herausforderung vor allem darin, das für die Übung benötigte Material reibungslos nach Norwegen zu verlegen. Neben den rund 8000 deutschen Soldaten mussten rund 4000 Fahrzeuge nach Norwegen gebracht werden, darunter unter anderem 30 schwere Kampfpanzer vom Typ Leopard 2.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hatte den Bündnistruppen in Norwegen bereits am Dienstag einen Besuch abgestattet. Auch er betonte dabei noch einmal, dass sich das Manöver nicht gegen Russland richte. Die Nato übe, um Konflikte verhindern zu können und nicht, um einen Konflikt zu provozieren, sagte er. Russland sei über "Trident Juncture" informiert worden und habe sogar die Möglichkeit, die Übung durch Beobachter zu begleiten.

n-tv.de , psa/dpa/rts

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