Ein Abschied in Liebe

Lundi 06 mai 2019

Trauergottesdienst für Grand-Duc Jean in der Kathedrale Notre-Dame

Selbst der Himmel scheint am frühen Morgen des 4. Mai, dem Tag des Begräbnisses des ehema- ligen Staatschefs Grand-Duc Jean, Trauer zu tragen. Bei fast schon winterlichen Temperaturen gießt es nicht nur in Strömen, es schneit sogar zeitweise. Und dennoch harren bereis vor 9 Uhr, also mehr als zwei Stunden vor Beginn des Trauergottesdienstes, einige Menschen an den Absperrgittern gegenüber der Kathedrale Notre-Dame in Luxemburg-Stadt aus. Dies zeigt die tiefe Zuneigung, welche die Luxemburger nach wie vor für Großherzog Jean empfinden. Auch in der Kathedrale haben sich zu diesem Zeitpunkt bereits sehr viele Gäste aus der Bevölkerung eingefunden.

Der Trauermarsch, mit Vertretern aus Justiz und Politik, startet gegen 10 Uhr. Ab 10.30 Uhr werden die Mitglieder zahlreicher Königshäuser aus aller Welt vom großherzoglichen Palast zur Kathedrale gefahren. Sie alle betreten die Kathedrale durch das westliche Eingangstor. Dabei durchschreiten sie ein Spalier aus Soldaten der luxemburgischen Armee und Pfadfindern, denn Großherzog Jean war seit 1945 Chefscout in Luxemburg. Diese haben sich in zwei Reihen vor dem Eingang der Kathedrale postiert.

Ein paar Minuten nach 11 Uhr wird dann das Haupttor des Palastes geöffnet und der Sarg von Großherzog Jean mit einem Gefährt des Typs HMMWV – meist einfach Humvee genannt – der luxemburgischen Armee aus dem Innenhof herausgezogen. Er liegt auf einer Geschützlafette und ist in eine Fahne mit dem „Roude Léiw“ eingehüllt. Beim Löwen handelt es sich um das Symbol der Herrscherdynastie Nassau-Weilburg.

Vor dem Sarg gehen die Militärmusikkapelle und Mitglieder des Klerus, mit an Spitze Erzbischof Jean-Claude Hollerich. Hinter dem Sarg folgt die großherzogliche Familie. Es ist kein leichter Gang, doch die Hinterbliebenen stützen sich gegenseitig. Dies zeigt sich beispielsweise daran, dass sich das großherzogliche Paar fast während des gesamten Marsches an den Händen hält.

Die Trauergäste in der Kathedrale verfolgen den Zug über zwei an Säulen befestigte Monitore. Dies ohne Ton, denn kurz vor 10 Uhr setzt auf einmal Orgelmusik ein, was alle Anwesenden in eine noch andächtigere Stimmung versetzt. Um 11.15 Uhr mischt sich in diese jedoch ein Knall. Dies wird sich in den darauffolgenden Sekunden noch 20 Mal wiederholen. Die 21 Salutschüsse vom Kanounenhiwwel sind nämlich noch in der Kathedrale zu hören. Wenige Minuten später wird dann das Nordtor der Kirche geöffnet.

Die letzte Etappe des Abschieds

Während die Klänge der Militärmusikkapelle bereits von der Rue Notre-Dame in das Innere des Gotteshauses getragen werden, sehen die Gäste auf den Bildschirmen, wie die zwölf Träger, jeweils sechs Polizisten und Soldaten, den Sarg von der Geschützlafette heben und in Richtung Kathedrale tragen. Einer nach dem anderen erhebt sich, und die Blicke wandern zum Eingangstor. Beim Einzug des Trauermarsches ertönt der „Wilhelmus“, und den Anwesenden wird klar, dass die letzte Etappe des Abschieds von Großherzog Jean begonnen hat. Ihre Ehre erweisen sie dem Dahingeschiedenen auf unterschiedliche Weise. Während einige das Haupt neigen, bekreuzigen sich viele beim Vorbeiziehen des Sarges.

Dieser wird vor dem Altar aufgebahrt, vor ihm ein Kranz der Familie abgelegt. Umrandet wird er von den vielen Orden und Auszeichnungen, die Grand-Duc Jean im Lauf seines Lebens erhalten hat. Ein Foto des milde lächelnden Monarchen erinnert an ihn. Die 50 000 weißen Orchideen sollen die Bewunderung für den Verstorbenen ausdrücken, da sie für Schönheit, Reichtum und Macht stehen.

Ein Gottesdienst im Zeichen von Grand-Duc Jean

Bei seiner Begrüßungsansprache betont Erzbischof Hollerich, dass Großherzog Jean ein letztes Mal in seine Kathedrale zurückgekehrt ist und alle Anwesenden ihn auf diesem letzten Weg begleiten können. Die folgende, mehrsprachige Messfeier enthält viele Elemente, die auf das Leben des Monarchen verweisen. Allen voran das Vortragen der Fürbitten durch Mitglieder der großherzoglichen Familie, unter ihnen Erbgroßherzog Guillaume.

Auch die Musikauswahl ist eine Hommage an Grand-Duc Jean. Die Lieder „The Flowers in the Forest“ und „Highland Cathedral“ werden von zwei Mitgliedern der Irish Guards mit Dudelsäcken vorgetragen und verweisen indirekt auf seine Verbundenheit zu Irland und Großbritannien im Allgemeinen. Besondere Höhepunkte sind das Erklingen der „Sonnerie Nationale“ und das Singen der „Heemecht“. Der Schluss der Messe wird durch das Heraustragen des Sarges eingeläutet. Die großherzogliche Familie folgt ihm, um der anschließenden Beisetzung in der Fürstengruft, wo unter anderem bereits seine Eltern und seine 2005 verstorbene Ehefrau ruhen, beizuwohnen. Auch die übrigen Trauergäste verlassen nach und nach die Kirche, zuerst die Ehrengäste, dann das normale Volk.

Am Ende bleiben vor allem zwei Dinge: die Erinnerung an einen einzigartigen Menschen und sehr viel Liebe.

Luxemburger Wort vom Montag, 6. Mai 2019, Seite 4

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