Erinnerung und Mahnung

Lundi 14 octobre 2019

Luxemburg. Der Zweite Weltkrieg ist seit fast 75 Jahren vorbei. Die Opfer sind nicht vergessen. Denn alljährlich erinnert sich Luxemburg im Oktober am nationalen Gedenktag an die Kriegsopfer. Die diesjährige offizielle Feier wurde gestern in der Hauptstadt abgehalten. Sie stand unter besonderen Vorzeichen, denn es ist rund 75 Jahre her, dass das Land nach mehr als vier Jahren der Unterdrückung durch die nationalsozialistischen Machthaber von alliierten Streitkräften befreit wurde.
Die Waffenruhe in Luxemburg war aber brüchig. Denn am 16. Dezember 1944 begann mit der Ardennenoffensive das letzte Aufbäumen Hitlers an der Westfront. Wieder rollte der Krieg über den Norden des Landes. Erst Ende Januar 1945 war das Großherzogtum nach verlustreichen Kämpfen, die etwa 20 000 US-Soldaten das Leben gekostet hatten, definitiv frei. Die größte Katastrophe des 20. Jahrhunderts endet am 8. Mai 1945 mit der bedingungslosen Kapitulation

Personenstandsaufnahme am Ursprung

Der nationale Gedenktag geht auf den 10. Oktober 1941 zurück. Damals wollten die Deutschen im besetzten Luxemburg eine sogenannte Personenstandsaufnahme durchführen. Im Rahmen der landesweiten Volksbefragung sollten sich die Einwohner des Großherzogtums zum Deutschtum und zur deutschen Sprache bekennen. Das Vorhaben endete in einem Fiasko für die Nazis.
Nicht zuletzt dank der Aufklärungsarbeit der Widerstandsorganisationen bekannte sich nämlich eine überwältigende Mehrheit von mehr als 96 Prozent der Bevölkerung zum Luxemburgischen. Da dieses Ergebnis einer Niederlage gleichgekommen wäre, blies Gauleiter Gustav Simon die Aktion ab, bevor das Endergebnis vorlag.
Der nationale Gedenktag wurde 1946, ein Jahr nach dem Kriegsende, eingeführt. An jenem Tag erinnert sich Luxemburg an die Einwohner, die während der Nazibesatzung im Widerstand aktiv waren, in Gefängnisse oder Konzentrationslager verschleppt wurden, umgesiedelt oder völkerrechtswidrig in die Wehrmachtsuniform gezwungen wurden.
Bei der Gedenkfeier wurde nicht nur zurückgeblickt, sondern in verschiedenen Ansprachen dazu aufgefordert, unter anderem von Premierminister Xavier Bettel, Lehren aus der Geschichte zu ziehen. Angesichts der Anschläge von Rechtsextremisten in jüngster Vergangenheit erging der Appell, sich gegen das Wiederaufflammen von nationalsozialistischem Gedankengut zu wehren und Werte wie Demokratie und die Menschenrechte zu verteidigen.
Der Erinnerungstag begann mit einem Gottesdienst, der in der Kathedrale in Anwesenheit von Großherzog Henri von Weihbischof Leo Wagener gefeiert wurde. Zum Beginn der Messe erinnerte Wagener an die Befreiung der Stadt Luxemburg vor 75 Jahren Er wies darauf hin, dass am 10. September 1944 auch Prinz Felix und Prinz Jean mit den amerikanischen Streitkräften in die Hauptstadt einzogen. Damit habe der damalige Erbgroßherzog ein Beispiel für Mut und Gradlinigkeit gegeben. Der Weihbischof hob weiter hervor, dass in den Kriegsjahren viele Luxemburger bereit waren, ihr Leben für die Heimat und demokratische Prinzipien, die heute oft als selbstverständlich angesehen würden, zu opfern. Ihnen müssten wir dankbar sein und das auch weiterhin bleiben, betonte Leo Wagener. Und er fügte hinzu: „Wir verneigen uns vor dieser Leistung.“

Beim Hinzerter Kreuz, am Denkmal für die Opfer der Shoah bei der Kathedrale und am Kanounenhiwwel (im Uhrzeigersinn) wird der Weltkriegsopfer gedacht. Fotos: Anouk Antony

Großherzog entzündet Flamme der Erinnerung

Nach der kirchlichen Feier fand eine Gedenkzeremonie beim nationalen Solidaritätsdenkmal auf dem Kanounenhiwwel statt. Dort legte Großherzog Henri im Beisein von Parlamentspräsident Fernand Etgen, Premier Xavier Bettel, Verteidigungsminister François Bausch, dem Schöffen der Stadt Luxemburg Serge Wilmes, und General Alain Duschène, Armeekommandant, einen Kranz nieder und entzündete die Gedenkflamme.
An die Kriegsopfer wurde auch am Denkmal für die Opfer der Shoah, bei der Gëlle Fra und beim Hinzerter Kreuz auf dem Liebfrauenfriedhof erinnert. Blumen wurden niedergelegt von Parlamentspräsident Fernand Etgen, Premierminister Xavier Bettel, Schöffe Serge Wilmes und Albert Aflalo, Präsident des israelitischen Konsistoriums. Zum Abschluss segneten Weihbischof Leo Wagener, Großrabbiner Alain Nacache und Volker Strauß, Pastor der evangelischen Kirche, die Grabstätte beim Hinzerter Kreuz.
Eine weitere Erinnerungsfeier fand am Nachmittag im Trifolion in Echternach statt. Dort erinnerten Parlamentspräsident Fernand Etgen, Premierminister Xavier Bettel, Bürgermeister Yves Wengler und Guy Dockendorf, Präsident des „Comité pour la mémoire de la Deuxième Guerre mondiale“, an die Kriegsereignisse.

Im Trifolion in Echternach sorgen die sanften Klänge von Klavier und Geige für Gänsehaut.

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