HERRENBERG IN FRAUENHAND Lieutenant-colonel Tania Weinzaepfel im Gesprach
Das Luxemburger Militär befindet sich im Wandel. So will sich die Armeeführung in ihren Rekrutierungsbemühungen darauf konzentrieren, den Militärdienst künftig attraktiver für weibliche Bewerber zu gestalten. Das Tageblatt hat in dieser Hinsicht mit fünf Frauen gesprochen, die sich für eine Karriere beim Militär entschlossen haben. Den Auftakt macht die erste weibliche Offizierin im Generalstab der Armee, Lieutenant-colonel Tania Weinzaepfel.
„Ils s'instruisent pour vaincre”, lautet Dias Motto der 1802 gegründeten Militärschule Saint-Cyr: sich bilden, um zu siegen. Ein Motto, an das Lieutenant-colonel Tania Weinzaepfel auch heute noch denkt, wenn sie ihre Erfahrung aus den letzten zwei Jahrzehnten an junge Rekruten, Soldaten, Unteroffiziere und Offiziere weiterreicht. Im Gespräch mit der 42-Jährigen merkt man sofort: Diese Aufgabe erfüllt sie mit Stolz.
Als Absolventin der Offiziersschule des französischen Heeres und erste Luxemburger Offizierin überhaupt wurde Weinzaepfel stets in Führungspositionen eingesetzt. Ob nun 2003 als junge Leutnantin an der Spitze eines Pelotons mit 30 Soldaten, als Chefin einer 120-köpfigen Kompanie im Jahr 2008 oder als Mitglied des Generalstabs der Armee nach 2012: Immer wenn die Offizierin vom Mannschaftsgeist und Teamwork innerhalb der Truppe spricht, glänzen ihre Augen. Auf die Frage, was denn bislang das Highlight ihrer Karriere gewesen sei, tut sich Weinzaepfel entsprechend schwer: „In den letzten 20 Jahren gab es viele. schöne Momente. Da fällt es mir schwer, etwas herauszupicken", so die 42-Jährige.
„Daran mitwirken zu können, dass aus jungen Rekruten nach vier Monaten Soldaten werden, erfüllt einen schon mit Stolz”, erinnert sich Weinzaepfel etwa an ihre Zeit als Chefin eines Pelotons in der Grundausbildung. Als Leiterin einer ganzen Kompanie habe ihr indessen die Zusammenarbeit mit anderen Unteroffizieren und Offizieren im Sinne der Truppe gut gefallen. Am liebsten aber erinnert sie sich an ihre erste Auslandsmission 2005 im Kosovo: „Ich war damals nach längerem Training erstmals allein verantwortlich für 25 Soldaten. Das war meine eigene Truppe, die ich zum Erfolg führen musste. Besonders stolz aber war ich, dass die Eltern mir ihre Kinder für diese Mission anvertrauten."
Geschlecht spielt keine Rolle
„Stolz" ist ein Wort, das in den Ausführungen der bescheidenen Offizierin in Bezug auf ihre Arbeit oft fällt. Dass sie die erste weibliche Führungsperson beim Luxemburger Militär war, erwähnt Weinzaepfel aber nicht. Vielleicht weil ihr Geschlecht auf dem Herrenberg nie eine Rolle spielte.
Ganz im Gegenteil: „Kein einziges Mal hatte ich das Gefühl, als würde mich jemand anders behandeln, nur weil ich eine Frau bin", betont Weinzaepfel.
Zwar gesteht sie dass sie als junge Offiziersanwärterin manchmal von Zweifeln geplagt wurde.
Doch seien diese Ängste unbegründet gewesen. „Vielmehr musste ich mich - wie alle männlichen Kollegen auch - vor den Soldaten beweisen", so Lieutenant-colonel Weinzaepfel, die inzwischen als „Officier logistique opérationnel" im Generalstab für sämtliche großen Infrastrukturprojekte verantwortlich zeichnet. Und auch später sei ihr die Armee stets entgegengekommen, als es für sie darum ging, Job und Familie unter einen Hut zu bringen.
Sie selbst sei als junge Frau sehr sportlich gewesen, habe bereits als Pfadfinderin das Abenteuer in Herausforderungen gesucht. Die Saat jedoch habe ihr Großvater gepflanzt, der selbst beim Luxemburger Militär war und ihr die Truppe schmackhaft gemacht hatte. "Ich wollte immer einen abwechslungsreichen Beruf, bei dem ich nicht den ganzen Tag im Büro verbringen muss und mit anderen zusammenarbeiten kann", erinnert sich Weinzaepfel. Für Menschen wie sie, die Teamwork lieben, sich immer wieder neu erfinden wollen und neue Herausforderungen suchen, sei die Armee der logische Schritt gewesen.
Eric Hamus (Tageblatt)
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