Pilotprojekt Copral: Ein Drittel der Kandidaten schafft Zugang zum Militär
Von Michèle Gantenbein
Seit dreieinhalb Jahren lauft im Lycée technique in Ettelbrück das Pilotprojekt Copral: Cours dé préparation à l'armée luxembourgeoise. Es ist eine Art Ecole de la deuxième chance für junge Erwachsene zwischen 18 und 24 Jahren. Von 197 Kandidaten, die sich seit Beginn des Prbjekts zum Vorbereitungskurs für die Armee angemeldet haben, haben 76 ihn erfolgreich abgeschlossen. 57 von ihnen haben über diesen Weg den Sprung in die Armee geschafft, ein knappes Drittel etwa. Damit ist die Erfolgsquote nicht besser als bei jenen, die ohne die Vorbereitungskurse den Zulassungstest zur Armee machen. Doch genau das hatte die Politik sich erwartet.
Dennoch ist das Pilotprojekt in den Augen aller im Parlament vertretenen Parteien eine gute Sache, weil es in ihren Augen dazu beitragt, Menschen mit einem niedrigen Bildungsstand, die in ihrem jungen Leben oft schon viel einstecken mussten und meist die Schule geschmissen haben, wieder auf die Spur zu bringen und ihnen Zukunftsperspektiven zu bieten.
Das Parlament diskutierte kürzlich auf Anfrage der ADR über die Rekrutierung und die Rolle der Armee, und somit auch über das Pilotprojékt Copral. Fernand Kartheiser (ADR) gab zu verstehen, dass er sich um das Niveau der künftigen Soldaten sorge, zumal seit geraumer Zeit weder Deutsch, Franzôsisch noch Mathematik geprüft werden, sondern der Zulassungstest zur Armee ,,nur" noch aus einem psychologischen und einem Sporttest besteht. Es sei nicht gut, das Niveau herabzusetzen, fand Kartheiser. Soldaten brauchten gute sprachliche und mathematische Kenntnisse - in ihrem spateren beruflichen Leben und für die zahlreichen internationalen Militareinsatze wahrend ihrer Dienstzeit.
N ach dreieinhalb J ahren soll das Projekt Copral nun ausgewertet werden. Für viele ist es noch zu früh, Schlussfolgerungen zu ziehen. Unabhangig davon sind aber alle Parteien für den Fortbestand des Vorbereitungskurses. Und sie haben Verbesserungsvorschlage, um die Armee attraktiver zu machen und das Rekrutierungsproblem in den Griff zu bekommen.
Fernand Kartheiser beispielsweise schlug vor, das Projekt Copral in das Bildungssystem zu integrieren und progressiv auszubauen, um so den steigenden Bedarf an Sicherheitspefsonal im Land zu decken. Dan Biancalana (LSAP) konnte sich mit der Vorstellung anfreunden, das Projekt - im Falle einer positiven Beurteilung - in anderen Schulen des Landes anzubieten. Jean-Marie Halsdorf (CSV) pladierte für die Schaffung einer ,,uniformierten akademischen Schullaufbahn" und forderte - ahnlich wie Gusty Graas (DP) - neue und ansprechende Berufsaussichten für die Soldaten.
Auch beim Staat. Die Piraten sprachen sich für die Aufhebung der Altersgrenze bei der Rekrutierung aus. Das sei im Rahmen der Reform des Armeegesetzes ohnehin geplant, erklarte Armeeminister François Bausch (Déi Gréng) spater in seiner Intervention.
Allen Rednern war die soziale Rolle der Armee wichtig. Selbst die Linken, die als einzige Partei Probleme mit der Ausrichtung der Armee und den internationalen Militareinsatzen haben, wollen, dass das Projekt fortgeführt wird, wie Marc Baum erklarte. Eben wegen der sozialen Bedeutung.
Für François Bausch ist die soziale Rolle auch wichtig. Die eigentliche Aufgabe der Armee aber sei es, für die Sicherheit des Staates zu sorgen und an internationalen Einsatzen teilzunehmen - Aufgaben, die immer komplexer werden. ,,Wir müssen uns bei der Rekrutierung bewusst sein, dass wir Personen brauchen, die dafür sorgen, dass die Armee ihren Aufgaben gerecht werden kann", so Bausch. Über 90 Prozent der Soldaten aber seien Schiller mit einem sehr niedrigen Bildungsstand, gab der grüne Verteidigungsminister zu bedenken. In Bezug auf die soziale Rolle meinte Bausch, dass man dabei sei, neue Laufbahnen beim Staat zu schaffen, vor allem im Sicherheits- und Wachdienst. Auch soll die Armee verstarkt im zivilen Bereich eingesetzt werden, zum Beispiel im Falle von Sturmschaden.
Das Pilotprojekt Copral lauft unter der Verantwortung des Bildungsministeriums. Insofern nahm auch Minister Claude Meisch (DP) Stellung dazu. In Bezug auf die Bewertung meinte er, das Projekt müsse unter dem Gesichtspunkt des weiteren W erdegangs der Copral-Schüler analysiert werden. In anderen W orten: Man soll den Werdegang der Copral-Schüler, die meist einen Schulabbruch hinter sich haben, mit dem W erdegang anderer Schulabbrecher vergleichen, ,,um sich ein Bild vom tatsachlichen Mehrwert dieser Initiative. zu machen". Eine Regionalisierung des Projekts kommt für Claude Meisch allerdings nicht infrage. Zum einen, weil eine gewisse Nahe zur Militarkaserne nôtig sei - die Copral-Schüler verbringen einen Tag in der Woche in der Militarkaserne -, zum anderen wegen der begrerizten Kapazitat des Haerebierg, junge Menschen aufzunehmen.
"Wir müssen uns bei der Rekrutierung bewusst sein, dass tvir Personen brauchen, die dafür sorgen, dass die Armee ihren Aufgabeiï gerecht 1verden kann."
François Bausch, Déi Gréng
Michèle Gantenbein (Luxemburger Wort)
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