Die Schule der zweiten Chance

Lundi 24 février 2020

Pilotprojekt Copral: Ein Drittel der Kandidaten schafft Zugang zum Militär

Von Michèle Gantenbein

Seit dreieinhalb Jahren lauft im Lycée technique in Ettelbrück das Pilotprojekt Copral: Cours dé pré­paration à l'armée luxembourgeoi­se. Es ist eine Art Ecole de la deu­xième chance für junge Erwach­sene zwischen 18 und 24 Jahren. Von 197 Kandidaten, die sich seit Beginn des Prbjekts zum Vorbe­reitungskurs für die Armee ange­meldet haben, haben 76 ihn er­folgreich abgeschlossen. 57 von ih­nen haben über diesen Weg den Sprung in die Armee geschafft, ein knappes Drittel etwa. Damit ist die Erfolgsquote nicht besser als bei jenen, die ohne die Vorbereitungs­kurse den Zulassungstest zur Ar­mee machen. Doch genau das hat­te die Politik sich erwartet.

Die soziale Rolle der Armee

Dennoch ist das Pilotprojekt in den Augen aller im Parlament vertre­tenen Parteien eine gute Sache, weil es in ihren Augen dazu bei­tragt, Menschen mit einem nied­rigen Bildungsstand, die in ihrem jungen Leben oft schon viel ein­stecken mussten und meist die Schule geschmissen haben, wieder auf die Spur zu bringen und ihnen Zukunftsperspektiven zu bieten.

Das Parlament diskutierte kürz­lich auf Anfrage der ADR über die Rekrutierung und die Rolle der Armee, und somit auch über das Pilotprojékt Copral. Fernand Kart­heiser (ADR) gab zu verstehen, dass er sich um das Niveau der künftigen Soldaten sorge, zumal seit geraumer Zeit weder Deutsch, Franzôsisch noch Mathematik ge­prüft werden, sondern der Zulas­sungstest zur Armee ,,nur" noch aus einem psychologischen und einem Sporttest besteht. Es sei nicht gut, das Niveau herabzuset­zen, fand Kartheiser. Soldaten brauchten gute sprachliche und mathematische Kenntnisse - in ih­rem spateren beruflichen Leben und für die zahlreichen internati­onalen Militareinsatze wahrend ihrer Dienstzeit.

N ach dreieinhalb J ahren soll das Projekt Copral nun ausgewertet werden. Für viele ist es noch zu früh, Schlussfolgerungen zu zie­hen. Unabhangig davon sind aber alle Parteien für den Fortbestand des Vorbereitungskurses. Und sie haben Verbesserungsvorschlage, um die Armee attraktiver zu ma­chen und das Rekrutierungsprob­lem in den Griff zu bekommen.

Fernand Kartheiser beispiels­weise schlug vor, das Projekt Co­pral in das Bildungssystem zu in­tegrieren und progressiv auszu­bauen, um so den steigenden Be­darf an Sicherheitspefsonal im Land zu decken. Dan Biancalana (LSAP) konnte sich mit der Vor­stellung anfreunden, das Projekt - im Falle einer positiven Beurtei­lung - in anderen Schulen des Lan­des anzubieten. Jean-Marie Hals­dorf (CSV) pladierte für die Schaf­fung einer ,,uniformierten akade­mischen Schullaufbahn" und for­derte - ahnlich wie Gusty Graas (DP) - neue und ansprechende Be­rufsaussichten für die Soldaten.

Auch beim Staat. Die Piraten spra­chen sich für die Aufhebung der Altersgrenze bei der Rekrutierung aus. Das sei im Rahmen der Re­form des Armeegesetzes ohnehin geplant, erklarte Armeeminister François Bausch (Déi Gréng) spa­ter in seiner Intervention.

Die eigentliche Rolle der Armee

Allen Rednern war die soziale Rol­le der Armee wichtig. Selbst die Linken, die als einzige Partei Prob­leme mit der Ausrichtung der Ar­mee und den internationalen Mi­litareinsatzen haben, wollen, dass das Projekt fortgeführt wird, wie Marc Baum erklarte. Eben wegen der sozialen Bedeutung.

Für François Bausch ist die so­ziale Rolle auch wichtig. Die ei­gentliche Aufgabe der Armee aber sei es, für die Sicherheit des Staa­tes zu sorgen und an internatio­nalen Einsatzen teilzunehmen - Aufgaben, die immer komplexer werden. ,,Wir müssen uns bei der Rekrutierung bewusst sein, dass wir Personen brauchen, die dafür sorgen, dass die Armee ihren Auf­gaben gerecht werden kann", so Bausch. Über 90 Prozent der Sol­daten aber seien Schiller mit ei­nem sehr niedrigen Bildungs­stand, gab der grüne Verteidi­gungsminister zu bedenken. In Be­zug auf die soziale Rolle meinte Bausch, dass man dabei sei, neue Laufbahnen beim Staat zu schaf­fen, vor allem im Sicherheits- und Wachdienst. Auch soll die Armee verstarkt im zivilen Bereich ein­gesetzt werden, zum Beispiel im Falle von Sturmschaden.

Auswertung des Pilotprojekts

Das Pilotprojekt Copral lauft un­ter der Verantwortung des Bil­dungsministeriums. Insofern nahm auch Minister Claude Meisch (DP) Stellung dazu. In Bezug auf die Be­wertung meinte er, das Projekt müsse unter dem Gesichtspunkt des weiteren W erdegangs der Co­pral-Schüler analysiert werden. In anderen W orten: Man soll den Werdegang der Copral-Schüler, die meist einen Schulabbruch hin­ter sich haben, mit dem W erde­gang anderer Schulabbrecher ver­gleichen, ,,um sich ein Bild vom tatsachlichen Mehrwert dieser Initiative. zu machen". Eine Regi­onalisierung des Projekts kommt für Claude Meisch allerdings nicht infrage. Zum einen, weil eine ge­wisse Nahe zur Militarkaserne nô­tig sei - die Copral-Schüler ver­bringen einen Tag in der Woche in der Militarkaserne -, zum an­deren wegen der begrerizten Ka­pazitat des Haerebierg, junge Menschen aufzunehmen.

"Wir müssen uns bei der Rekrutierung bewusst sein, dass tvir Personen brauchen, die dafür sorgen, dass die Armee ihren Aufgabeiï gerecht 1verden kann."
François Bausch, Déi Gréng

Michèle Gantenbein (Luxemburger Wort)

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