„Haben zwar gelitten, aber auch viel gelernt“

Mardi 03 mars 2020

HERRENBERG IN FRAUENHAND Caporal Diana Rodrigues im Porträt

Das Luxemburger Militär befindet sich im Wandel. So will sich die Armeeführung in ihren Rekrutierungsbemühungen darauf konzentrieren, den Militärdienst künftig attraktiver für Bewerberinnen zu gestalten. Das Tageblatt hat in dieser Hinsicht mit fünf Frauen gesprochen, die sich für eine Karriere beim Militär entschlos-sen haben. Im dritten Teil unserer Serie unterhalten wir uns mit Caporal Diana Rodrigues.

Caporal Diana Rodrigues erhielt volle Rückendeckung von zu Hause: Als ehemaliger Angehöriger der portugiesischen Streitkräfte ist ihr Vater unendlich stolz auf seine Tochter
Fotos: Editpress/Julien Garroy

„Hier oben findet jeder eine Möglichkeit, sich zu verwirklichen“, betont Caporal Diana Rodrigues. Ihr zufolge habe sich die Luxemburger Armee in den letzten Jahren so auf-gestellt, dass auf dem Herrenberg „jeder einen Platz findet“, wie es die 24-Jährige ausdrückt. Die junge Frau mit portugiesischen Wurzeln ist erst seit knapp fünf Jahren beim Luxemburger Militär, hat in dieser kurzen Zeit aber bereits eine beachtliche Laufbahn aufzuweisen.

Die ersten drei Jahre nach ihrer Grundausbildung im Jahr 2015 wurde sie als Soldatin in der CIS-Einheit (Communication and Information Systems) eingesetzt. In derselben Zeit aber erhielt Rodrigues auch die Möglichkeit, an etlichen Manövern und Auslandsmissionen teilzunehmen, darunter Einsätze im Kosovo und in Litauen. Am besten aber habe ihr das Wintertraining in Slowenien gefallen – trotz eisiger Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt.

„Wir haben zwar gelitten, aber auch enorm viel gelernt“, erinnert sich Rodrigues und lacht kurz auf. Man merkt: Die Korporalin denkt gerne an dieses Manöver zurück. Und tatsächlich: Bei der Frage nach dem bisherigen Highlight ihrer militärischen Karriere spricht Diana Rodrigues weiter von den extremen Bedingungen im Balkan. „Neben unserer normalen Ausbildung wurden wir mit allen nötigen Elementen ausgestattet, um bei minus 15 Grad und bei meterhohem Schnee überleben zu können. So mussten wir etwa Iglus bauen, um zu übernachten. Das war wirklich eine tolle Erfahrung“, so die junge Frau. Das Wintertraining habe sie auf Jahre hinaus geprägt.

„Das war nichts für mich“

Dass ihr aktueller Job quasi nichts mehr mit ihrer ursprünglichen Ausbildung gemeinsam hat, dürfte sie denn auch nicht stören. Ganz im Gegenteil: „Eigentlich hatte ich eine Lehre als Verwaltungs- und Handelsvertreterin begonnen. Doch das war nichts für mich“, sagt Diana Rodrigues, die vor Kurzem ihr erstes Kader-Examen erfolgreich abgeschlossen hat. „Ich konnte mich einfach nicht mit der Idee anfreunden, 40 Stunden die Woche in einem Büro zu verbringen“, fährt Caporal Rodrigues fort. Also setzte sie sich mit ihrem Vater an einen Tisch und begann, mit ihm über eine mögliche Karriere beim Luxemburger Militär zu sprechen.

An seiner Reaktion merkte sie, dass sie richtig lag: „Er war echt stolz auf mich. Ich wusste sofort, dass dies der richtige Weg für mich sei“, so Rodrigues, deren Vater bereits bei den portugiesischen Streitkräften diente. Einen Nachteil aufgrund ihres Geschlechts habe sie auch nie erfahren: „Ob Mann oder Frau: Wenn man hier oben stets sein Bestes gibt, sich gut mit den Kollegen versteht und seine Arbeit einwandfrei erledigt, macht es keinen Unterschied“, betont die frisch gebackene Führungskraft. Sie weiß denn auch, dass ihre größte Herausforderung noch bevorsteht: Sie sei noch nicht allzu lange als Kader tätig und müsse noch lernen, Akzente zu setzen. „Das wird bis jetzt meine größte Herausforderung“, gesteht die junge Frau.

Nach der strengen Grundausbildung und Manövern bei Minustemperaturen im zweistelligen Bereich dürfte Diana Rodrigues auch dieser Aufgabe gewachsen sein. So rät die Korporalin auch anderen jungen Menschen, die eigenen Grenzen zu erforschen. Zum Beispiel bei der eben genannten Grundausbildung: „Es kann nicht schaden, auf den Herrenberg zu kommen und sich eine eigene Meinung zu bilden“, so Rodrigues. Und: Man sollte auch nicht sofort das Handtuch werfen, sondern die Zähne zusammenbeißen. „Nur so weiß man, ob man auf dem richtigen Weg ist oder nicht!“

Korporalin Rodrigues ist erst seit Kurzem als Kader tätig. Sie liebt die ständigen Herausforderungen auf dem Herrenberg. So müsse sie jetzt etwa lernen, auch als Führungskraft Akzente zu setzen.

Eric Hamus (Tageblatt)

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